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Individuell. Außergewöhnlich. Anders. Fremd. NEU.

Warum machen diese Dinge manchen Menschen Angst und wecken sogar Wut in ihnen?

Viel zu oft erlebte ich schon die Situation wie man über mein Äußeres lachte, den Kopf schüttelte, mich arrogant ansah, lauthals darüber diskutierte, mir Sprüche drückte. All das UNGEFRAGT.

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Beispielsituation ER:

Ich sitze mit meinem schwulen Freund in einem Café. Es ist schweinekalt, er trägt eine Echtpelz Jacke. Auf einmal läuft ein Fahrradfahrer mit seinem Fahrrad an uns vorbei und sagt:,,Pelz ist doch out mensch!“ und guckt uns BEIDE verurteilend an. Wir gucken nur verstört hinterher und sagen nichts.

Was ist, wenn ich dieses Thema schon mal ausführlich mit meinem Kumpel besprochen habe, weil ich selbst angewidert davon war, dass jemand heutzutage noch Echtpelz trägt? Was ist, wenn ich ihm gegenüber meine Meinung dazu klar und deutlich vertreten habe? Was ist, wenn er mir gesagt hat, er würde niemals mehrere Pelze im Schrank haben wollen und wenn überhaupt den einen, den er hat, durch einen ebenfalls gebrauchten aus dem Second-Hand-Laden eintauschen? Was ist, wenn dieser Pelz das einzige Erinnerungsstück seiner verstorbenen Oma ist? Behalten oder wegschmeißen?

Das interessiert niemanden.

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Beispielsituation ER:

Ich gehe mit ihm durch die Straßen und es wird gegafft was das Zeug hält. Als würde ich ein neues Produkt vorstellen. Vor kurzem hat er sich seine Haare verlängern lassen. Die eigentliche Frisur ist trotzdem ein undercut. Ich war anfangs sehr skeptisch als er mir davon erzählt hatte und meinte:,,Oh neeeee!“, aber ich bin auch stylingtechnisch ein sehr offener Mensch und habe mich vom Gegenteil überzeugen lassen. Ich finde es steht ihm sehr gut. Gut, dass er nicht auf mich gehört hat! Auf der Straße nur Gegaffe. Leute, die sich umdrehen, Leute, die lachen, die den Kopf schütteln. Ein Mann mit seiner Familie, der ihn bemustert und sich nach 3m ernsthaft noch einmal umdreht und auf dem Gehweg stehenbleibt, bis er merkt, dass ich ihn provokant angucke und sich wieder wegdreht. Hetero Männer, die ihm aus Provokation hinterherpfeifen oder Anmachsprüche drücken.

Was ist, wenn mein Kumpel gelernter Friseur ist und sich kreativ ausdrücken möchte, wenn er schon die handwerklichen Fähigkeiten dazu hat? Was ist, wenn ich ihn überzeugen musste seine Haare auch offen zu tragen und nicht nur zu einem Dutt hochgesteckt, wie er es geplant hatte, weil er selbst unsicher war? Was ist, wenn er ein bodenständiger Mensch mit einer Beziehung ist und es als respektlos empfindet als homosexuelles Sexobjekt dargestellt zu werden?

Das interessiert niemanden.

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Beispielsituation ICH:

Ich fahre von einer langen und aufregenden Veranstaltung totmüde nach Hause und will einfach nur meine Ruhe haben. Tja, scheiße, wenn man auf die BVG angewiesen ist. Meine Freunde müssen früher aussteigen, verabschieden sich von mir, ab dem Zeitpunkt bin ich alleine. Ich krame gerade aus meinem Rucksack meine Kopfhörer heraus, um dieses ganze Gelaber der Menschen nicht zu hören, da höre ich wie zwei Mädels zwischen 25-30 Jahren sich laut über MEINE Frisur unterhalten, obwohl sie sehen, dass ich alles hören kann, denn meine Kopfhörer sind nicht auf meinen Ohren. Eine sagt:,,Ich finde ihre Haare voll cool!“, (zur Erklärung: Da hatte ich noch ombré hair  und an sich ja auch sehr nett gemeint), ich ignoriere es, weil mir das unangenehm war, ich nicht reden wollte und ich eh müde war. Die andere antwortet:,,Hm. Joa. Aber der Übergang ist zu hart.“. Ich höre das und dachte mir:,,WTF?!?!“. Die andere versuchte es noch mit einem:,,Nö, finde ich nicht.“, zu retten, aber mein Vulkan war innerlich schon ausgebrochen. Zuerst einmal, ich hatte meine Kopfhörer NICHT auf, sie konnten sehen, dass ich ALLES hören kann. Zweitens unterhalten sie sich LAUT über MEINE Frisur, sodass alle anderen Fahrgäste mich dann wahrscheinlich danach auch noch anglotzten. GAR NICHT UNANGENEHM. Meine einzige Reaktion war, dass ich mir meine Kopfhörer aufgesetzt habe, die, die meinen Übergang beleidigt hatte, böse angeguckt und meinen Kopf geschüttelt habe.

Was ist, wenn ich nach so einem Tag einfach meine Ruhe haben will? Was ist, wenn ich gar keine Lust habe mit euch zu reden, auch wenn ihr mich quasi dazu auffordert? Warum schenkst du mir das Kompliment nicht indem du mich einfach direkt ansprichst? Was ist, wenn ich das selbst schon gemerkt habe, dass der Übergang krass geworden ist? Was ist, wenn es mir aber genau so gefallen hat? Was ist, wenn ich nicht wusste, dass ich DICH als „Deutschlands Stylingexperte“ vorher um Rat fragen musste wie genau ich MEINE HAARE färbe? Was ist, wenn ich deinen Style genauso zum Kotzen fand? Warum konnte ich das für mich behalten und du nicht?

Das interessiert niemanden.

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Beispielsituation ICH:

Ich habe ihn gesehen und musste ihn kaufen. Ein fetter, rosafarbener, wuscheliger Mantel aus Kunstfell mit Kapuze (bewundern könnt ihr ihn HIER). Alleine ihn anzuschauen macht mir gute Laune. Das Erste was ich gemacht habe war, ihn direkt in die Waschmaschine zu schmeißen um ihn schnellstmöglich anziehen zu können. Als er trocken war, sprudelte schon die Vorfreude in mir hoch. Ich legte mir ein Outfit zurecht, zog ihn über und los ging’s nach draußen. Doch das, was mich draußen erwartete, war genau das Gegenteil von Zuckerwatte und Regenbogen. Ich wurde angestarrt, verklemmte Pärchen transformierten sich zu Highschool-Mobbern und lachten über mich. Menschen, die in der U-Bahn direkt neben mir saßen, drehten permanent ihre Köpfe in meine Richtung und starrten mich aus nächster Nähe an. Eingebildete Modepüppchen schauten mich beim Vorbeilaufen an und zogen die Augenbrauen hoch. WTF?

Was ist, wenn eine Jacke einfach nur eine Jacke ist? Was ist, wenn ich sie ausziehen würde? Wäre ich dann mehr wie „ihr“? Würdet ihr mich dann eher akzeptieren? Was ist, wenn ich mir vorher schon überlegt hatte, dass bestimmt solche Situationen kommen, ich mich aber überwunden habe, weil ich ICH sein will? Was ist, wenn ihr meine Laune runtergezogen habt, obwohl ich gut gelaunt mein Haus verließ?

Das interessiert niemanden.

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Was ist, wenn mein Kumpel und ich uns kreativ und stylingtechnisch gegenseitig so pushen, dass wir uns gut tun? Was ist, wenn wir uns gegenseitig inspirieren, sodass es immer wieder neue Ideen in uns weckt? Was ist, wenn wir uns gegenüber ehrliche Menschen sind, wo man ehrliche Menschen so schwer findet, die man dazu noch Freunde nennen kann? Was ist, wenn wir uns gegenseitig unterstützen in dem was wir tun? Was ist, wenn wir beide einfach zwei offene Menschen sind? Was ist, wenn wir grundlegend zwei super liebe Menschen sind?

DAS interessiert niemanden.

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ABSCHLUSSWORTE

Über solche Situationen könnte ich Bücher schreiben. Immer wenn ich mit ihm unterwegs bin, merke ich wie viele Leute ihn anstarren und wie oft ich diese Situationen schon selbst erlebt habe. Es gibt viele Gründe warum ein Mensch so wird, wie er wird. Genetik, Erziehung, äußere Einflüsse etc etc. Da ich ein offener Mensch bin, akzeptiere ich auch diejenigen, die es nicht sind. Jeder sollte das Recht haben sich innerlich, so wie auch äußerlich gestalten zu können wie er möchte, solange er anderen damit nicht schadet. Akzeptanz und Toleranz, ist das nicht der Schlüssel zu unserer längst verkommenen Gesellschaft? Man muss nicht jeden mögen, um Gottes Willen, auf meiner Feindesliste stehen bestimmt schon über 100 Personen, aber kann man nicht die Reife zeigen, sich wenigstens gegenseitig zu tolerieren und zu akzeptieren so wie man ist? Denn ist das nicht auch unser aller Wunsch? So sein zu dürfen wie wir wollen? Außergewöhnlich heißt nicht immer fremd. Neu ist nicht immer schlecht. Anders und individuell zu sein, heißt noch lange nicht, dass man nicht dazugehört.

Die Idee zu diesem Shooting kam mir spontan. Denis und ich sprachen über irgendein Thema und aus Scherz sagte ich zu ihm:,,HA! DU als Schneekönigin! So etwas würde mega zu dir passen!“. Stille. „Ey jaaaa! Du als Schneekönigin!“

Bei einer Schneekönigin denkt, ich schätze mal, 90% der Gesellschaft an eine grazile, makellose Frau mit markanten Zügen, aber doch nicht an einen homosexuellen Mann mit Undercut und Extensions. Oder?

Genau diese Gedanken wollte ich damit ins Rollen bringen. Es ist anders. Deswegen auch das Thema „Individualität“. Warum ist individuell zu sein auf viele verschiedene Weisen für viele einschüchternd? Die Bilder sind Beweis genug, dass Individualität nichts Schlechtes bedeutet, denn aus etwas Neuem/Einzigartigem haben wir etwas Wunderbares geschaffen.

An dieser Stelle bedanke ich mich nochmals von Herzen an Rim, (Seite HIER) die als talentierte make-up artist mitgewirkt hat, bei Anete für die Hilfe beim Aufbauen meines kleinen home Studios und Denis (Seite HIER) für die Bereitschaft mir als Model zu dienen.

Vielen Dank, dass ihr so viel Vertrauen in mich und meine Idee hattet, sodass wir gemeinsam aus einem anfänglich spontanen, lustigen Einfall etwas ganz Tolles gemacht haben.

Ich wünsche euch einen wunderschönen 1. Advent und falls ihr unterwegs seid, tut doch mal wieder etwas Nettes. Es wird euch auch gut tun.

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LOVE, Tatjana

4 thoughts on “INDIVIDUALITÄT UND WARUM MENSCHEN DAMIT NICHT KLARKOMMEN”

  1. Du hattest ja schon angedeutet, dass ein Post zu diesem Thema kommt und ich muss sagen – ich bin begeistert!
    Die Punkte, die du Ansprichst bewegen auch mich. Ich finde es schlimm, dass die Leute starren nur wenn man mal etwas experimentierfreudiger ist oder vielleicht auch etwas extrovertiert.
    Bestes Beispiel – dunkel roter Lippenstift! Hört sich nicht nach viel an, aber in meiner Stadt wird man gleich als Nutte angesehen wenn man damit rumläuft, dabei gibt es nichts schickeres!

    Ich wünsche mir mehr Offenheit und Toleranz, wie langweilig wäre es denn wenn wir alle wie graue Mäuse rumlaufen würde?!

    By the way, du hast wirklich toll ausgesehen mit der Jacke!

    Die Fotos finde ich wirklich super passend zu dem Post, tolles Make-up und Respekt an deinen Freund, dass er es sich getraut hat so ablichten zu lassen!

    Rundum toller Beitrag! Bitte mehr davon!

    Sketchoman ❤️

    1. Sorry für die späte Antwort! Ich habe dein Kommentar am gleichen Tag noch gelesen und war so gerührt über all das positive Feedback, dass ich Tränen in den Augen hatte vor Stolz! Ja, das mit dunklem Lippenstift ist genau das Gleiche! Und wenn er zu dunkel ist (ich habe mir erst neulich so einen gekauft) dann wird man direkt in die Gothic Schublade gesteckt und auch wieder ausgelacht und angestarrt. Und da sagt man „Berlin ist voller verschiedener Kulturen, so verrückt und sooo offen!“ Pustekuchen! Hier ist es nicht anders als in anderen Städten, außer dass es hier mehr von den Individuen gibt, die sich tagtäglich so eine scheiße geben müssen. Zumal nochmal zurück zu meinem Kumpel. Das war es ja noch nicht. Er und ich haben uns beide die gleichen hohen Plateauschuhe gekauft und seitdem läuft er fast nur mit denen rum (Ich bin wieder zu faul für hohe Schuhe im Alltag :D), da sitzen wir zusammen in der S-Bahn und 2 erwachsene Männer und eine erwachsene Frau sehen diese hohen Schuhe an ihm und die Männer fangen an zu diskutieren und ich verstehe durch die laute S-Bahn nur „Schwuchtel“ und „lassen sich in den Arsch ficken“ und wie sie die ganze Zeit starren und lachen. Bis die Frau gemerkt hat, dass ich allen dreien einen Todesblick gebe, UNERBITTLICH, bis ihr es unangenehm wird und sie sagt „Ihr seid mir peinlich. Nee. Lass doch mal jetzt.“ und der Typ „Na wieso? Ist doch so!“ Ich war SO sauer, dass ich gezittert habe. Mein Kumpel fragte mich dann „Wann wollen wir aussteigen? Die nächste oder übernächste Station?“ ich antwortete nur, Todesblick immer noch fest auf die 3 Affen gerichtet „BITTE die nächste Station! Hier sind mir zu viele Arschlöcher in der Bahn!!“ und ja, sie das haben sie gehört. Glück für sie, dass sie die nächste Station ausgestiegen sind. Ich habe auch überlegt eine riesige Diskussion anzufangen mit „Entschuldigung, finden Sie das eigentlich ok, öffentlich und laut so über andere Menschen zu reden, die sie nicht mal ansatzweise kennen??“, aber ich wusste es hat keinen Sinn. Solche Menschen werden es nicht lernen. Ich wollte uns auch nicht den Abend verderben, deswegen habe ich mich zusammengerissen. Hauptsache war für mich in dem Moment ohne es eskalieren zu lassen: Ich habe sie darauf hingewiesen, dass es mich stört und sie haben es unterlassen.

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